über mich

ich charakterisiere mich durch vielseitigkeit, spontanität und mut zum experimentellen.

mit 8 jahren musste ich meine heimat italien verlassen und kam nach deutschland. die auseinandersetzung mit dem neuen, die anpassung, veränderung, das ausprobieren und experimentieren prägten mich und meinen schöpferischen akt. die vergangenheit begleitet mich noch immer auf dem weg in die unvorhersehbare zukunft. die erinnerungen vermischen sich im moment mit dem augenblicklich eingefangenen und ergeben fragmente, die sich wie ein puzzle zusammensetzen, was sich in meinem künstlerischen prozess wiederfindet. ich bin ein grenzgänger, der grenzen aufhebt und brücken zwischen betrachtern und objekten baut.

schöpferischer akt

zu den bücher- und papierarbeiten bewege ich mich u.a. in einer materialen vielfalt, ohne fixierung auf einen stoff. es fordert mich stetig aufs neue heraus und inspiriert mich zugleich. viele meiner arbeiten haben mit fragmentarischen inhalten zu tun. durch zerlegen und zusammenfügen entstehen skulpturale  und collagenvariationen, die zu einem ganzen ineinander fließen. zum anderen entstehen auch werke der klassischen bildhauerei aus den verschiedensten materialien. wobei ich auch hier sehr oft beim ab- und auftragen der momentanen inspiration folge und mich dem material hingebe, um dem werk seinen ausdruck zu verleihen. zu meinem weiteren arbeitsfeld gehören installationen, temporäre kunstwerke, kunstaktionen und soziale plastiken, die ein einbeziehen von mensch, raum und materie zum festen bestandteil von aktionen im öffentlichen und halböffentlichen raum haben. die interaktion zwischen meinem werk, der umgebung und den menschen, die von betrachtern zu akteuren werden, bringt spontane, explorative und interessante aktionen hervor und lässt dadurch neue soziale plastiken entstehen. In dem moment verschmelzen künstler, betrachter und objekt. 

thema

nachhaltigkeit und transformation“ bestimmt. 

nachhaltigkeit geht für mich über materiellen u. wirtschaftlichen  ressourcen hinaus in bild, wort und schrift. in der kunstaktion und kunstbetrachtung geht es mir vor allem um das nachwirken und nachklingen. ich lade die menschen in einem prozess zum nachdenken, zum mitagieren und zur transformation ein, ich möchte ihnen eine anregung geben sich vom wohlmöglichem angepassten und bequemen – stillstand zu lösen. 

 


Nachhaltigkeit und Transformation

Alfonso Lipardi ist ein Suchender. Was geht? Was ist machbar?
Zuletzt hat er diese Fragen auf vielfältigste Weise mit dem Material Papier, genauer gesagt mit hunderten von Büchern erforscht. Zuerst das Sammeln der Bücher von Freunden und Bekannten. Dies bereits als soziale Performance. Dann die Bücher zerlegen, schreddern, zerpflücken, auseinandernehmen und im Anschluß daran wieder zusammenfügend neue Konstellationen hervorbringend. Kleine poetische, humorvolle Buchobjekte, wie auch große ortsbezogene, temporäre Installationen. Und immer wieder Aktionen. Mit Büchern und Menschen. Sein bildnerisches Interesse gilt genauso der „konventionellen“ Plastik, Skulptur und Installation, wie auch den sozialen Interaktionen mit Menschen und den daraus entstehenden, nie vorhersehbaren sozialen Prozessen.
Es ist Ihm zu wünschen, dass er auch weiterhin beide Pole intensiv bearbeiten kann. Die Arbeit am Objekt und am eigenen Innern, zurückgezogen im Atelier und die im Außen exponierte experimentiertierfreudige Arbeit mit Menschen.
Jens Reichert 2016

 

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Interaktive Kunstinstallations-Performance am Samstag, 7.12.2019 – Zeitraum: 10:00 – 13:30 Uhr

Die BÜCHERWAND ist Gegenstand und Metapher zugleich, denn sie versinnbildlicht eine Mauer, wie sie normalerweise aus Beton, Stein oder anderen Materialien hergestellt werden würde. Sie zeigt sich zunächst als eine nicht verschiebbare, undurchdringliche und verschlossene, dichte Frontfläche. Ausgerichtet ist diese ‚Bücherwand‘ vertikal. Sie ruft auch die Vorstellung hervor, machtlos einer Begrenzung gegenüber zu stehen oder einer Unveränderlichkeit ausgeliefert zu sein. Sie veranschaulicht allein schon in ihrer Begrifflichkeit „Wand“ ein Gefühl der Bedrohung, da sich der Zukunft die Freiheit zu entziehen scheint.

Doch die zu sehende Wand bzw. Mauer besteht in diesem Fall aus Büchern. Eine Bücherwand. Und eben gerade die Interaktion mit Büchern führt Menschen zusammen, denn Bücher sind Vermittler von Sprachen und Kulturen, erzählen Geschichten, machen neugierig und berühren zugleich – und sie bilden. Daher regt eine Wand aus Büchern Akteur*innen einer werdenden sozialen Plastik zu Nachdenklichkeit und Reflexionen an. Sie fordert dazu heraus, querzudenken, und macht Mut, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen.

Eine zweite Bedeutungsebene findet sich in der künstlerischen Metapher der aneinandergereihten, bunten Buchrücken: Die scheinbar undurchdringliche Wandfläche symbolisiert zugleich als Farbflash die Vielfalt und Buntheit menschlichen Lebens und Menschseins. Unterschiedlichen Buchformate, Autoren, Verlage und Fraben stehen für gelebte Individualität.

„Durchblick4“
ist die vierte Folge einer durchplanten Serie von Performances im öffentlichen Raum. Mit unterschiedlichen Formaten und Themen soll die jeweilige Performance Menschen mitten im alltäglichen Leben und durch das Interagieren mit dem scheinbar alltäglichen Gegenstand Buch erreichen.

Performances

1. (Inter-) Aktion am Samstag, 7.12.2019 – Zeitraum: 10:00 – ca. 13:00 Uhr
Menschen / Gäste / Besucher und der Künstler bringen Bücher mit. Diese werden auf dem Platz des Einkaufszentrums Landwasser vertikal aufgereiht und nehmen dabei eine Breite von über 290 cm ein. Die gestapelten Bücherreihen sollen eine Höhe von ca. 200 – 230 cm erreichen

2. Aktion „Durchbruch“ – Zeitraum: 13:00 – 13:15 Uhr
Der Künstler Alfonso Lipardi wird bei der Hauptperformance “Durchblick”, einen weiteren Raum, jenen „hinter“ der Wand eröffnen, und versinnbildlicht solchermaßen die fortwährende „Freiheit“, Perspektiven zu verändern. Immer wieder wandeln sich durch nachfolgende Aktionen die Wahrnehmungen der Betrachterinnen und Betrachter von ihrem Umfeld vor Ort, wodurch das äußere Räumliche als großes Ganzes eingebunden wird und „Wände“ als eine Frage der Perspektive veranschaulicht werden.

 3. Interaktion – Zeitraum: 13:15 – 13:30 Uhr
Beobachter*innen, Passant*innen und Besucher*innen, jung wie alt, wie auch der Künstler Alfonso Lipardi, eröffnen gemeinsam einen weiteren Interaktionspart. Wichtig ist hier die Repetition des Überraschenden, des Zufälligen und somit Unbekannten, denn weder der Künstler noch die Partizipierenden wissen, was in den Büchern steht, welche Geschichten hier zutage treten.

Damit erreicht die Performance-Serie einen weiteren Höhepunkt, weil die scheinbar schweigenden Geschichten der Bücher, aber auch die Worte der Passant*innen, eine raumfüllende Expressivität erhalten. So kommt unmittelbar zu Gehör, was zuvor durch die Bücherwand verschlossen war.
An die Performance-Serie sollen sich Gespräche und Diskussionen anschließen, wodurch das, was in den Rezipienten in Bewegung und Resonanz geraten ist, in einem weiteren „Klangraum“ nachklingen und nachwirken kann.

Durch das Mitwirken der Menschen und Gäste vor Ort wird das gesamte Kunstprojekt zu einer sozialen Plastik.

Die Interaktion zwischen der Kunstinstallations-Performance, der Umgebung und den Menschen, die von Betrachtern wahlweise zu Akteuren – zu Lesenden, Zuhörenden – und wieder zu Betrachtern werden, bringt spontane, unvorhersehbar-explorative und spannende Aktionen hervor und lässt dadurch zeitgleich neue, ungeplante soziale Plastiken entstehen. In solchen Momenten schließlich verschmelzen Künstler, Betrachter und Objekt zu einem einzigen Kunstwerk.